Abdo Nahat 1943

Nahat 1943 Restauration

Diese Aoud wurde auf ihrem Transport ( Versand per Post ) nach Deutschlend schwer beschädigt. Sie war zwar in einem Koffer verpackt, doch dieser konnte die Beschädigung leider nicht verhindern. Trotz Koffer war die Decke nach innen gedrückt worden.

Über eine ziemlich große Strecke hatte sich die Decke und auch die Balken von der Muschel gelöst. Zahlreiche Raneinlagen Stückchen aus Ebenholz und Elfenbein waren herausgebrochen. Zum Glück waren die Meisten davon noch erhalte, so dass nur wenige ersetzt werden mussten.

 

Um die Reparatur nun überhaupt durchführen zu können, war es wichtig ins innere des Korpus zu gelangen. Hierzu musste die Rosette entfernt werden. Das öffnen der Muschel ist einerseits eine weitaus größere Prozedur aber vor allen Dingen auch eine viel größere Belastung für ein solches fragiles und über 80 Jahre altes Instrument. 

Aber hier gab es etwas Glück im Unglück. Die Rosette war zwar mit einem katastrophalen modernen Leim eingeleimt worden, und diesen auch noch in einer ziemlich beträchtlichen Menge, aber bedauerlicherweise war sie nicht mehr Original sondern aus Plastik. 

Die Rosetten einer Nahat Aoud sind so eingeleimt, dass diese in der Regel von außen nicht zu entfernen sind.

 

Im Inneren der Aoud bot sich dann ein schlimmes Bild. Sie war schon einmal sehr schlecht repariert worde. Einige Verstärkungsklötze zwischen Randspahn und Decke waren angebracht worde. Zum einen war wieder der synthetische Leim ( weis glänzend ) verwendet worden und andererseits waren die Klötzchen teilweise vollkommen funktionslos angebracht worden. Alle diese Klötze mussten entfernt und ersetzt werden.

Auch gab es einige Stellen, an denen sich Balken von der Decke gelöst hatten ( mittleres Bild ). Diese Stellen galt es nach zu leimen.

hier noch mit den "originalen" Saiten

Beim Lösen der Saiten stellte sich darüber hinaus heraus, dass der Wirbelkasten nicht mehr fest eingeleimt war. Es zeigte sich dann auch sehr schnell, weshalb sich dieser gelöst hatte.

Vermutlich bei der letzten Reparatur bei der der schlechte Leim zu Einsatz kam, wurden wahrscheinlich auch die Wirbel ersetzt. Diese sind nämlich nicht mehr Original, sondern es handelt sich um moderne Viola Wirbel. Solche wurden bei Nahat Instrumenten niemals eingepasst.

Nun hat der Instrumentenbauer ( sofern man diese Person überhaupt so bezeichnen kann ) den großen Fauxpas begangen, die neuen Wirbel nicht dünner zu drehen, sondern das Wirbelloch im Wirbelkasten einfach aufzubohren. Das hatte einen fatalen Effekt, wie es die Bilden nebenan zeigen: Es gab keinen Platz mehr zwischen Wirbel und Wirbelkastenrückwand für die Saiten. Man sieht sehr gut, wie die umsponnenen Saiten sich in die Rückwand eingedrückt hatten. Hierzu muß eine enorme Kraft aufgewendet worden sein. Diese Kraft den Wirbel zu drehen um das Instrument zu stimmen und der dabei entstehende Seitendruck müssen die Wirbelkastenverleimung gelöst haben.

Ich habe gehört, dieses Instrument war vor dem Verkauf nach Deutschland gespielt worden. Mir ist es ein Rätsel, wie diese Problematik dem Musiker nicht auffallen konnte.

Und dann wurden auch noch die Saitenlöcher in den Wirbeln im Wirbelkasten selbst gebohrt. Das Ergebnis ist auf dem 2. Bild gut zu sehen. Zum Glück wurde wenigstens nicht durchgebohrt!

Es ist wirklich traurig und erschreckend zu sehen, wie schändlich, ja man muss fast sagen verbrecherisch mit diesem Instrument umgegangen wurde. Insgesamt kamen unendlich viele Stunden zusammen, um dieses schöne und in der Werkstatt Nahat wirklich phantastisch gebaute Instrument wieder spielbar zu machen.

Nachfolgend das Bild der restaurierten Decke